Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung

Die Altersvorsorge ist mit dem zunehmenden Risiko der Altersarmut unerlässlich. Wer im Alter einen hohen Lebensstandard beibehalten möchte, sollte die Vorsorge so früh wie möglich angehen. Dazu zählt nicht nur die Rente. Bis vor einigen Jahren gingen Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung noch Hand in Hand. Die klassische Kapitallebensversicherung war dafür der Deutschen liebstes Kind. In den vergangenen 20 Jahren gab es jedoch einige einschneidende Veränderungen, die den Fokus der Verbraucher auf andere Lösungen lenkten.

Trennung zwischen Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung

Es gab einige Gründe, weshalb die Kapitallebensversicherung zuerst langsam, dann immer schneller an Attraktivität verlor. Zunächst kamen Ende der achtziger Jahre immer mehr fondsgebundene Versicherungslösungen auf den Markt. Die Auswirkungen der Finanzkrise führten zu einem signifikanten Einbruch bei der garantierten Verzinsung von Lebensversicherungen.

Eine gesunkene Rendite stellt die Rentabilität der Altersvorsorge heute infrage. Noch vor Beginn der Finanzkrise führte die Einführung des Alterseinkünftegesetzes per 1. Januar 2005 zu einem weiteren Einbruch. Die bisherige Steuerfreiheit der Kapitallebensversicherung bei einer Mindestlaufzeit musste der teilweisen Besteuerung nach dem Halbeinkünfteverfahren weichen. Dies bedeutet, dass der Begünstigte im Erlebensfall die Hälfte der Erträge versteuern muss.

Die Konsequenz war, dass Sparer stärker als in den früheren Jahren die Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung aufteilten.

Welche Optionen bieten sich für Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung an?

Die Frage nach dem Aufbau der Altersvorsorge richtet sich in erster Linie nach der Risikobereitschaft des Anlegers. Es bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. Als die Lukrativsten gelten

  • Betriebliche Altersversorgung
  • Staatlich geförderte Altersvorsorge (Riester)
  • Rürup-Rente
  • Fondssparen
  • Immobilienerwerb

Damit ist aber noch nicht die Frage nach der Hinterbliebenenversorgung geklärt. Lag der Beginn des Fondssparens lange genug zurück, mag hier ein entsprechendes Guthaben aufgelaufen sein. Startete der Sparplan erst vor einem Jahr, sieht es mit der Absicherung der Familie noch dünn aus. Die Lösung findet sich in einer klassischen Risikolebensversicherung. Diese bietet verschiedene Varianten, die passgenau auf die Lebenssituation des Versicherungsnehmers zutreffen:

  • Risikolebensversicherung mit gleichbleibender Versicherungssumme
  • Risikolebensversicherung mit fallender Versicherungssumme (Absicherung einer Immobilienfinanzierung, Anpassung an die Veränderung der familiären Situation).
  • Risikolebensversicherung auf zwei verbundene Leben (Leistung, wenn eine der versicherten Personen stirbt).

Der Vorteil der Risikolebensversicherung besteht auch darin, dass der Versicherungsnehmer auch das Risiko einer Berufsunfähigkeit absichern kann.

Die Hinterbliebenenversorgung stellt im Gegensatz zur Altersversorgung ein recht einfach abzuhandelndes Thema dar.

  • Der Versicherungsnehmer möchte, dass seine Familie keine finanziellen Einbußen erleidet. Der Anspruch aus der gesetzlichen Witwen- und Waisenrente lässt sich leicht ermitteln, die Hinterbliebenenversorgung muss die Differenz zwischen Nettoeinkommen und Rente abdecken. Der Kapitalstock kann bis zu einem bestimmten Alter der Kinder aufgezehrt werden.
  • Die Familie bedient eine Immobilienfinanzierung, die Todesfallsumme entspricht der Restschuld des Darlehens. Im Fall des Ablebens löst die Versicherungssumme die Restschuld ab, die Hinterbliebenen können weiter ohne finanzielle Belastung im Eigenheim leben.

Umfangreicher zeigt sich die Betrachtung der Altersversorgung. Hier wollen wir ein wenig in das Detail gehen.

Die staatlich geförderte Altersvorsorge

Der Gesetzgeber sieht verschiedene Wege einer staatlich geförderten Altersversorgung vor. Der Fachausdruck dafür lautet „Drei-Schichten-Modell“. Was sich dahinter verbirgt, zeigt die folgende Grafik:

Altersvorsorge Schichtenmodell

Schicht 1 der Altersvorsorge:

Die Rürup-Rente war zu Beginn als Alternative für die gesetzliche Rentenversicherung, Riester-Rente und betriebliche Altersversorgung für Selbstständige gedacht. Die Steuervorteile rechnen sich aber auch schon bei mittleren Arbeitnehmereinkommen.

Im Jahr 2018 liegt der maximal geförderte Beitrag bei 23.712 Euro für Alleinstehende und 47.424 Euro bei Verheirateten. Als steuerlich abzugsfähig gelten 86 Prozent des Beitrags, 20.392 Euro respektive 40.784 Euro.

Neben klassischen Rentenversicherungen lässt die Rürup-Rente auch das Fondssparen zu.

Schicht 2 der Altersvorsorge:

In der Schicht 2 siedelte der Gesetzgeber die betriebliche Altersversorgung (bAV) und die staatlich geförderte Altersvorsorge an.

Für die bAV stehen fünf Durchführungswege zur Verfügung:

  • Direktversicherung (mittels fondsgebundener Lösungen)
  • Pensionskasse (dito)
  • Pensionsfonds (Aktien)
  • Unterstützungskasse (fondsgebundene Lösungen)
  • Rückgedeckte Pensionszusage (kann frei unterlegt werden)

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, zumindest eigene Gehaltsanteile in eine betriebliche Altersversorgung einzuzahlen. Besteht kein innerbetriebliches Versorgungswerk, muss der Arbeitgeber mindestens eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse akzeptieren.

Die Finanzierung der bAV erfolgt entweder

  • Ausschließlich durch den Arbeitnehmer
  • Ausschließlich durch den Arbeitgeber
  • In einem Mix von beidem

Der Höchstbeitrag orientiert sich an dem jeweiligen Durchführungsweg. Für die Direktversicherung und die Pensionskasse gelten als Bezugsgröße vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Für die Riester-Förderung als Altersvorsorge bieten sich ebenfalls verschiedene Wege an.

  • Klassische Rentenversicherung
  • Fondsgebundene Rentenversicherung
  • Fondssparplan
  • Banksparplan
  • Bausparen
  • Annuitätendarlehen

Während die klassische Rentenversicherung und der Banksparplan als fast bedeutungslos gelten, erlebt „Wohn-Riester“, Bausparen oder Annuitätendarlehen, einen regelrechten Boom.

Die staatlich nicht geförderte Altersvorsorge

Schicht 3 der Altersvorsorge:

Die Schicht 3 stellt die private Altersvorsorge dar. Hierzu gehören alle Versicherungsprodukte, die nicht unter die staatliche Förderung fallen. Dafür bieten diese Produkte dem Versicherungsnehmer auch die größten Gestaltungsmöglichkeiten.

Abgesehen von der Schicht 3 bestehen natürlich noch zahlreiche weitere Optionen, die eigene Altersvorsorge aufzubauen. Experten raten immer wieder dazu, dabei auf Sachwerte zurückzugreifen. Als Sachwerte verstehen sie

  • Aktien oder Aktienfonds
  • Immobilien

Der Grund dafür liegt in der Inflationsneutralität.

Aktien verkörpern den Gegenwert eines Unternehmens. Stark vereinfacht formuliert, steigen die Personalkosten und die Aufwendungen für den Wareneinkauf, preist die Aktiengesellschaft den Mehraufwand in den Verkaufspreis ihrer Produkte ein. Den Kurs der Aktie beeinflusst dies zunächst nicht. Verteuern sich die Produkte allerdings dadurch so sehr, dass sie keine Abnehmer mehr finden, schlägt sich die Preiserhöhung doch im Kurs wieder.

Wer heute dagegen 20.000 Euro für die Dauer von 20 Jahren in eine Anleihe investiert, erhält nach 20 Jahren inflationsbedingt nicht mehr den gleichen materiellen Gegenwert. Trotz aller Kursrückgänge kennen Aktien, und damit auch Aktienfonds im Grunde nur einen Weg, nämlich nach oben.

Immobilien zählen als der „Kaiserweg“ der Altersvorsorge. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie der Eigentümer fremd vermietet, oder zum Rentenbeginn entschuldet selbst nutzt. Die Entwicklung der Miet- und Objektpreise in den letzten Jahren gibt dem Recht. Allerdings zählen bei der Auswahl des Objektes drei Dinge: die Lage, die Lage und die Lage. Die Vermietbarkeit in einer strukturschwachen Region fällt nach wie vor kritisch aus.

Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung – ein Fazit

Im Markt für Altersvorsorge und Hinterbliebenenversorgung gab es Verschiebungen. Traditionelle Produkte haben an Bedeutung verloren. Eine Koppelung von beidem bedeutet Einbußen bei der Rentabilität. Die Absicherung der Familie einerseits und der finanzielle Aufbau für einen sorgenfreien Ruhestand andererseits können Verbraucher bei einer Trennung deutlich rentierlicher gestalten. Es drängt sich an dieser Stelle immer wieder das Bild eines Ferraris mit Anhängerkupplung auf – kauft auch niemand.

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