Bauherrenhaftpflicht schützt vor hohen Kosten durch Unfälle am Bau

Die Bauherrenhaftpflicht dient als Schutz vor hohen Kosten im Schadensfall. Baumaßnahmen sind prinzipiell mit einem Risiko verbunden. Gefahren gehen von einem baulichen Vorhaben aber nicht nur für den Bauherrn selber aus, sondern auch für die Bauarbeiter sowie für Nachbarn und andere Unbeteiligte, wie etwa Passanten. Eine Bauherrenhaftplicht ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber absolut sinnvoll, um sich gegen unvorhergesehene Folgen von Unfällen abzusichern. Allerdings sind die Bauherren mit der Bauherrenhaftpflichtversicherung noch längt nicht alle Sorgen los.

Mit welchen Gefahren müssen Bauherren rechnen?

Auf einer Baustelle kann viel passieren, was den oder auch die Bauherren im Nachhinein teuer zu stehen kommt. Als privater Bauherr tragen Sie prinzipiell die Haftung für alle Unfälle, die auf Ihrer Baustelle passieren. Die Gefahr ist bei einem Bauvorhaben deutlich erhöht, weshalb eine normale Haftpflichtversicherung in der Regel nicht greift. Gefahren können etwa aus folgenden Gegebenheiten hervorgehen, die auf einer Baustelle herrschen:

  • Tiefe Gruben
  • Baumaschinen
  • Herabfallende Baumaterialien
  • Fehlende Geländer oder Balkone
  • Herumliegende Gegenstände

Als Bauherr sind Sie dazu verpflichtet, alle notwendigen Vorkehrengen zu schaffen, damit die Gefahren minimiert und verhindert werden. So sollten Baugruben mit Absperrbändern gesichert oder Baugeländer angebracht werden. Selbstverständlich sollten auch Baumaterialien so gelagert werden, dass sie nicht durch Wind und Wetter bewegt werden und hinabfallen können.

Was sichert eine Bauherrenhaftpflicht ab?

Trotz aller Vorsicht lassen sich jedoch Unfälle oft nicht gänzlich vermeiden. Werden notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Baustelle durch das Bauunternehmen nicht durchgeführt, gilt dies als fahrlässig. Für Schäden, die daraus entstehen, können jedoch Sie als Bauherr in vollem Umfang verantwortlich gemacht werden. Das heißt konkret, dass für die Wiedergutmachung Schadensersatz gezahlt werden muss.

Schadensersatz wird etwa fällig, wenn durch herabfallende Gegenstände Fahrzeuge beschädigt werden. Sollten bei der Anlieferung von Baumaterial einige Gegenstände auf der Straße liegen bleiben und sich infolge dessen ein Fußgänger oder ein Radfahrer verletzen, ist der Bauherr ebenfalls haftungspflichtig für die Schäden. Ebenso schadensersatzpflichtig sind Sie als Bauherr, wenn sich Bauarbeiter oder auch Besucher auf der Baustelle verletzen. Die Bauherrenhaftpflicht schließt sogar Unbefugte mit ein, also Personen, die sich unrechtmäßig auf der Baustelle aufhalten und dabei zu Schaden kommen. Und auch wenn Nachbarn oder Freunde bei den Baumaßnahmen aushelfen, sind Sie als Bauherr bei Unfällen in der Verantwortung. Verantwortlich sind Sie außerdem für die Räumung der Fußwege vor der Baustelle von Schnee und Eis.

Mit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung sind Sie zudem auf eventuelle Rechtsstreitigkeiten vorbereitet, die in der Folge eines Schadensfalles entstehen. So bietet eine solche Versicherung auch einen passiven Rechtsschutz. Werden Sie also mit unberechtigten Forderungen konfrontiert, übernimmt die Versicherung schon allein im eigenen Interesse die Kosten, um diese Forderungen abzuwehren. Allerding darf eine Bauherrenhaftpflicht nicht als „Rundum-Sorglos-Paket“ betrachtet werden. Eine Baumaßnahme ist mit weiteren Risiken verbunden, die zusätzlich versichert werden sollten.

Wer braucht eine Bauherrenhaftpflichtversicherung?

Bei privaten Baumaßnahmen, für die eine Bauherrenhaftpflichtversicherung notwendig wird, denken viele zunächst an den Neubau eines Eigenheimes oder auch eines Mehrfamilienhauses. Doch es gibt eine Reihe weiterer Maßnahmen und Bauvorhaben, bei denen über den Abschluss einer solchen Versicherung nachgedacht werden sollte. Dazu gehören:

  • Um- und Anbauten an bereits bestehenden Gebäuden
  • Umfassende Sanierungsarbeiten an bestehenden Gebäuden
  • Größere energetische Sanierungen bzw. Modernisierungsmaßnahmen

Soll etwa ein Treppenhaus angebaut werden, um eine bestehendes Haus besser nutzen zu können, sind damit umfassende Baumaßnahmen verbunden. Dazu gehört etwa das Ausheben einer Baugrube, die Anlieferung von Baumaterial oder auch der Einsatz eines Krans. Mit allen diesen Maßnahmen sind natürlich auch Gefahren für Menschen und deren Eigentum verbunden. Das gleiche gilt, wenn ein Haus energetisch saniert wird und daher ein Gerüst aufgestellt werden muss.

Prinzipiell haftet bei diesen Schäden aber nicht nur der Bauherr alleine, sondern auch andere Beteiligte. Wurde etwa eine Baufirma beauftragt, ist auch diese grundsätzlich in der Verantwortung. Das Gleiche gilt für den Architekten bzw. für einen beauftragten Bauleiter. Diese Akteure müssen in der Regel eine entsprechende Haftpflichtversicherung vorweisen können. Allerdings heißt dies nicht, dass der Bauherr aus seiner Verantwortung entlassen wird. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch haften alle am Bau beteiligen Akteure gesamtschuldnerisch. Zunächst kann sich also ein Geschädigter an jeden dieser Akteure mit seiner Schadensersatzforderung richten. Sie als Bauherr sind dabei auch dafür verantwortlich, darauf zu achten, inwieweit Firmen und Architekten ihren Sicherungspflichten nachkommen. Erkennen Sie Gefahren, müssen Sie etwa das Bauunternehmen umgehend darauf aufmerksam machen. Findet dies nicht statt, trifft Sie zumindest eine Mitverantwortung.

Was die Bauherrenhaftpflicht nicht absichert und welche Versicherungen außerdem sinnvoll sind

Das Konzept einer Bauherrenhaftpflicht sieht vor, Schäden abzudecken, die sogenannte Dritte betreffen. Dies bedeutet, dass Sie selber aber auch enge Familienmitglieder, insbesondere Kinder, die im eigenen Haushalt leben, nicht versichert sind. Das gleiche gilt, wie bei allen Versicherungen auch, für Schäden, die vorsätzlich oder grob fahrlässig zustande gekommen sind. Häufig müssen Gerichte klären, ob aufgrund der genannten Einschränkungen ein Versicherungsanspruch besteht oder nicht. Auf jeden Fall sollten Sie sich als Bauherr ausführlich mit Ihren Pflichten im Rahmen der Baumaßnahme auseinandersetzen. Darüber hinaus sind auch einige weitere Versicherungen am Bau absolut sinnvoll. Hierzu zählen:

  • Bauleistungsversicherung
  • Feuerrohbauversicherung

Mit einer Bauleistungsversicherung können Sie sich gegen Schäden wappnen, die etwa durch Wettereinflüsse wie Sturm oder Hagel eintreten. Wird etwa der Rohbau durch starken Regen oder Überschwemmung beschädigt, wird der Schaden nur durch die Bauleistungsversicherung, nicht aber durch die Bauhaftpflichtversicherung ersetzt. Das gleiche gilt auch für den Diebstahl von Geräten, Baumaschinen oder Baumaterialien. Kommt es zu Schäden durch Brand, etwa in Folge eines Blitzeinschlages, greift die sogenannte Feuerrohbauversicherung.

Fazit – Bauherrenhaftpflicht ist wichtig – bietet aber keinen vollständigen Schutz

Ein privates Bauvorhaben ist häufig eine kostspielige Angelegenheit. Allerdings sind Bauherren in der Regel schlecht beraten, wenn Sie auf den grundlegenden Versicherungsschutz verzichten, nur um Kosten zu sparen. Dies gilt vor allem für die Bauherrenhaftpflichtversicherung, die Schäden abdeckt, die Dritten in Folge der Baumaßnahmen entstehen. Gerade bei Personenschäden können die Kosten dafür existenzbedrohende Ausmaße annehmen, etwa wenn ein langfristiger Arbeitsausfall die Folge ist. Aus dem Schneider sind Bauherren mit einer solchen Bauherrenhaftpflicht aber noch lange nicht. Zu einem ausreichenden Versicherungsschutz gehören außerdem eine Feuerrohbau- sowie eine Bauleistungsversicherung. Welcher Schutz konkret notwendig ist und auch welche Schadenshöhe dabei abgesichert werden sollte, klären Sie am besten gemeinsam mit einem Experten.