Krankentagegeldversicherung: Wenn die Versicherung einspringt

Was bringt eine Krankentagegeldversicherung? Wann kann man sie in Anspruch nehmen? Vor Krankheit ist niemand gefeit. Das zeigt auch ein Blick auf die Statistik: Zu Beginn der Nullerjahre befand sich der deutschlandweite Krankenstand im Sinkflug. Zuletzt allerdings steigt er wieder deutlich an. So verbringt im Durchschnitt jeder Bundesbürger 5% seiner Arbeitszeit im Krankenstand. Einen großen Teil davon machen eher geringfügige Erkrankungen aus. Was aber, wenn es einen dann doch mal richtig erwischt? Was, wenn man durch eine schwere Krankheit außer Gefecht gesetzt ist?

Krankentagegeldversicherung vs. Krankengeld

Eine Krankentagegeldversicherung ist nicht gleichzusetzen mit der gesetzlichen Krankengeldzahlung. Letztere ist eine Leistung, die Bestandteil des Portfolios der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Eine Krankentagegeldversicherung ist eine freiwillige, private Zusatzversicherung, die den gleichen Zweck erfüllt. Beide Leistungen beziehen Versicherte im Fall einer langfristigen Erkrankung. Die Auszahlung beginnt allerdings erst, nachdem die gesetzliche Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber ausläuft.

Krankentagegeldversicherung: Finanzielle Absicherung im Krankheitsfall

Angestellte haben bei Ausfall durch eine langwierige Erkrankung zunächst Anspruch auf eine Lohnfortzahlung. So erhalten sie in den ersten sechs Wochen des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls das volle Gehalt. Danach springt die Krankenkasse ein. Allerdings nur bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern. Die Auszahlung erfolgt in Höhe von maximal 90% des letzten Nettoeinkommens. Im Regelfall ist ein Arbeitnehmer 72 Wochen durch das gesetzliche Krankengeld abgesichert. Voraussetzung dafür ist, dass eine nachweisliche Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit vorliegt.

Übrigens: Wer nach Ablauf der Krankengeldzahlungsfrist auf unabsehbare Zeit weiter arbeitsunfähig ist, kann gekündigt werden.

Wichtiger Tipp!

Wer absehbar auch nach Frist des Krankengeldbezuges weiterhin krank bleibt, sollte wichtige Maßnahmen ergreifen. Unabhängig vom Kündigungsrisiko endet mit dem Auslaufen des Krankengeldes auch die grundsätzliche finanzielle Unterstützung. Drei Monate vor Ende des Krankengeldbezuges sollte man sich unbedingt bei der Rentenversicherung melden. Besteht das Risiko einer Kündigung, außerdem bei der Agentur für Arbeit. Und sofern eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht, sollte auch dieser Versicherer kontaktiert werden.

Krankentagegeldversicherung als Ergänzung zum Krankengeld

Als privat versicherter Arbeitnehmer oder Selbstständiger besteht kein Anspruch auf Krankengeldzahlung. Hierum müssen sich die Versicherten dann selbst kümmern. Dies können sie in Form einer Krankentagegeldversicherung tun. Bei privat versicherten Angestellten ist die Krankentagegeldversicherung das Pendant zum gesetzlichen Krankengeld. Selbstständige können sich mit dieser Versicherung hingegen vor dem wirtschaftlichen Ruin schützen. Gerade lange Krankheitszeiten bergen ein hohes Risiko. Darum müssen sie beachten, den wegfallenden Umsatz mitzuversichern, nicht ausschließlich den Gewinn.

Während die Krankentagegeldversicherung nie und für niemanden obligatorisch ist, ist sie oft sehr ratsam. Besonders private Versicherungsnehmer können sich damit vor extremen wirtschaftlichen Schäden schützen. Aber auch für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer kann eine private Krankentagegeldversicherung sinnvoll sein. Hier gibt es allerdings eine Einschränkung. Die private Absicherung kann nur Ergänzung sein. Und zwar in dem Sinne, als dass maximal das durchschnittliche Monatsgehalt erreicht wird. Bei einem Krankengeldbezug in Höhe von 90% des Nettolohnes, kann die Krankentagegeldversicherung 10% aufschließen.

Egal, ob gesetzlich oder privat versichert, Kranken(tage)geld wird maximal in Höhe eines Monatsdurchschnittseinkommens ausgezahlt. Der Versuch, höhere Auszahlungen zu generieren, wäre Betrug im Sinne des Bereicherungsverbotes.

Die Krankentagegeldversicherung als private Zusatzleistung

Während eine private Krankentagegeldversicherung für private Versicherungsnehmer dringend ratsam ist, können gesetzlich Versicherte wählen. Sinnvoll ist eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung besonders bei gutverdienenden Arbeitnehmern. Aber auch, wer regelmäßige Ausgaben hat, kann unter Umständen von den Zusatzleistungen profitieren. Wer etwa einen Immobilienkredit bedient, vermeidet durch höheres Krankengeld besser prekäre Situationen.

Für gesetzlich Versicherte besteht darüber hinaus der Vorteil, Leistungslücken durch eine Zusatzversicherung schließen zu können. Etwa, wenn der gesetzliche Versicherer sich widerspenstig zeigt. Oder wenn der Leistungsanspruch erweitert werden soll. Denn eine private Verischerung für Krankentagegeld lässt sich oftmals sehr individuell gestalten. Es gibt aber auch einen Wermutstropfen hinzunehmen.

Bei der Krankentagegeldversicherung handelt es sich um die Leistung privater Versicherer. Dementsprechend können diese Versicherungsanträge auch ablehnen oder einen Risikozuschlag fordern. Etwa bei bekannten Vorerkrankungen, zurückliegend in Anspruch genommenem Langzeitkrankengeld oder Risikogruppen. Es gibt aber auch weitere Gründe, in denen ein solcher Risikozuschlag zulässig ist.

Risikozuschlag bei der Krankentagegeldversicherung

Als private Versicherer können Anbieter einer Krankentagegeldversicherung ein Risikozuschlag auf den Beitrag erheben, wenn:

  • eine Beitragsaufstockung durch den Versicherungsnehmer versäumt wurde oder
  • der Gesundheitszustand des Versicherten sich während der Versicherungslaufzeit zusehends verschlechtert hat.

Die Beitragsaufstockung einer laufenden Krankentagegeldversicherung

Natürlich ist niemand verpflichtet, seine Beiträge für die Krankentagegeldversicherung aufzustocken. Sinnvoll ist es dennoch. Der Grund dafür ist klar:

Bei privat Versicherten orientiert sich das Krankentagegeld an dem in der Police eingetragenen Gehalt. Wer eine Krankentagegeldversicherung zu Beginn der Arbeitsaufnahme abschließt, gibt dort seinen aktuellen Verdienst an. Steigt das Einkommen mit den Jahren, sollte das Krankentagegeld nicht auf jenem Niveau bleiben. Denn ausgezahlt wird es nur in Höhe des vereinbarten Betrages. Wer versäumt, seinen Beitrag aufzustocken, muss mit einer verminderten Krankentagegeldsumme rechnen.

Das Versäumnis der Aufstockung birgt Risiken

Wird die Beitragsaufstockung versäumt, ist das reduzierte Krankentagegeld nur ein Risikofaktor. Ein weiterer ist, dass der Versicherer eine neuerliche Gesundheitsprüfung fordern kann. Diese entfällt bei regulären Aufstockungen bei den meisten Versicherern. Nur bei einem sprunghaften Anstieg der Beitragszahlungen, wird der Anbieter unter Umständen hellhörig. In diesen Fällen fordern manche Versicherer dann eine aktuelle Gesundheitsprüfung. Belegt diese dann auch noch einen schlechteren Gesundheitszustand, kann eine nachträgliche Aufstockung verweigert werden. Oder aber der Versicherer fordert den erwähnten Risikozuschlag seitens des Versicherten.

Krankentagegeldversicherung: Der größte Vorteil

Der mit Abstand größte Vorteil einer (zusätzlichen) Krankentagegeldversicherung ist ihre Laufzeit. Die Auszahlungsperiode für das gesetzliche Tagesgeld ist auf eineinhalb Jahren begrenzt. Danach müssen wahlweise Berufsunfähigkeits- oder gar Rentenansprüche geltend gemacht werden. Ist dies nicht möglich, bleibt vielen Arbeitnehmern oft nur der Antrag auf Hartz IV.

Anders als das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung, ist eine Krankentagegeldversicherung nicht laufzeitgebunden. Das heißt, die Zahlung des Krankentagegeldes wird auch über die 72 Wochen hinaus fortgesetzt. Alternativ beginnt sie überhaupt erst nach Ablauf des gesetzlichen Krankengeldbezuges.

Der Auszahlungsbeginn kann mit dem privaten Versicherer nämlich individuell vereinbart werden. Für gesetzlich Versicherte ist das besonders interessant. Sie können vereinbaren, dass die Krankentagegeldversicherung ab dem ersten Tag nach dem Krankengeldbezug greift. Selbstständige hingegen können bereits ab dem zweiten Krankheitstag Krankentagegeld beziehen.

Der Endpunkt des Krankentagegeldbezuges wird nur durch den Geltungsbereich der Berufsunfähigkeitsversicherung markiert. Dieser ist erreicht, wenn eine vollständige oder teilweise Genesung zur Arbeitsfähigkeit nicht anzunehmen ist. Wie die Krankheitsfeststellung, muss auch die Genesungswahrscheinlich ärztlich bescheinigt werden.

Fazit zur Krankentagegeldversicherung: Als Zusatzleistung für gesetzlich Versicherte sinnvoll, als Absicherung für privat Versicherte dringend angeraten.