Die Krankenzusatzversicherung: Überflüssig oder sinnvoll?

Lohnt sich eine Krankenzusatzversicherung? In den letzten Jahren und Jahrzehnten mussten gesetzlich Versicherte bei den Leistungen der Krankenversicherung immer mehr Einbußen hinnehmen. Die Leistungen wurden und werden sukzessive gekürzt. Brillen werden gar nicht mehr bezuschusst, Zahnprothesen und andere Leistungen nur im Mindestumfang. Abhilfe schafft da die Krankenzusatzversicherung. Aber für wen sind welche Policen in welchem Umfang eigentlich sinnvoll? Oder lohnt sich eine private Zusatzversicherung eventuell gar nicht?

Welche Krankenzusatzversicherungen gibt es überhaupt?

Es gibt nicht nur eine einzige Krankenzusatzversicherung. Stattdessen gibt es für verschiedene Bereiche unterschiedliche Zusatzversicherungen. Diese lassen sich je nach Anbieter und Tarifen kombinieren. So können ganz individuelle Policen zusammengestellt werden, die perfekt zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Einige Tarife lassen sich auch später erweitern.

Zur privaten Krankenzusatzversicherung zählen:

  • die Auslandskrankenversicherung,
  • die Zahnzusatzversicherung,
  • die Krankenhaustagegeldversicherung,
  • die Krankenhauszusatzversicherung,
  • die Krankentagegeldversicherung,
  • die Brillenversicherung,
  • die IGel-Versicherung,
  • die ambulante Zusatzversicherung,
  • die ambulante Restkostenversicherung und
  • die private Pflegeversicherung.

Wichtig zu wissen: Bei der Kündigung der Krankenzusatzversicherung verliert man die Ansprüche an die geleisteten Beitragszahlungen.

Die sinnvollen Krankenzusatzversicherungen

Bei einer so großen Auswahl an privaten Zusatzleistungen für die Krankenversicherung ist absehbar: Nicht alle sind sinnvoll. Andere hingegen lohnen sich abhängig von der Lebensphase und -situation. Wieder andere eignen sich für alle gesetzlich Versicherten. So wie die

  • Zahnzusatzversicherung
  • Krankentagegeldversicherung und
  • Auslandskrankenversicherung.

Warum die Auslandskrankenversicherung eine sinnvolle Krankenzusatzversicherung ist

Eine Auslandskrankenversicherung bietet Schutz wie im Heimatland auch im Urlaub und auf Reisen. Man kann sich damit weitgehend risikofrei überall auf der Welt aufhalten. Und das für vergleichsweise kleines Geld. Viele gesetzliche Krankenkassen arbeiten bereits mit privaten Anbietern zusammen. So kann man meist von sehr günstigen Angeboten profitieren. Im Schnitt kostet eine Krankenzusatzversicherung fürs Ausland um die 10 Euro im Jahr. Ein sinnvoller und rentabler Schutz.

Die Krankenzusatzversicherung für die Zähne

Wer von einer Zahnzusatzversicherung hört, denkt zunächst vor allem an Zahnersatz. Und tatsächlich ist dieser der höchste Kostenfaktor. Doch eine Krankenzusatzversicherung für die Zähne lohnt sich auch darüber hinaus. Warum? Weil gesetzliche Versicherer besonders bei zahnärztlichen Leistungen den Rotstift angesetzt haben. So muss man als Patient mittlerweile auch für eine professionelle Zahnreinigung vollständig alleine aufkommen. Eine solche Behandlung beläuft sich nicht selten auf 100 Euro oder mehr. Eine Zahnzusatzversicherung kann den Eigenanteil hier mindern oder gar ganz ersparen.

Weitere Kostenfaktoren bei der Zahnarztbehandlung können etwa Füllungen sein. Aber auch Wurzeloperationen und Parodontosebehandlungen. Grundsätzlich gilt: Je hochwertiger und langlebiger die Leistung, desto teurer. Statt für jede dieser Leistungen selbst aufzukommen, lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung. Spätestens dann, wenn es um Zahnersatz geht. Wer etwa Implantate statt Brücken und Gebiss wünscht, muss tief in die Tasche greifen. Mit einer Krankenzusatzversicherung für die Zähne kann man diese Kosten mindestens minimieren.

Einige Zusatzversicherungen erfordern etwa den Nachweis über regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Andernfalls kommen sie später für zahnärztliche Leistungen nicht auf. Auch decken nicht alle Tarife alle Zahnarztkosten ab. Zahnzusatzversicherungen gibt es entweder als Schadensversicherung. Hier errechnet sich der Beitrag am Alter des Versicherten und den allgemeinen Gesundheitskosten. Oder der Versicherer verwendet einen Teil der Monatsbeiträge zum Rücklagenaufbau fürs Alter. Die größere Auswahl bietet die erste Variante der Zusatzversicherung für die Zähne.

Die Krankentagegeldversicherung kann sinnvoll sein

Die private Krankentagegeldversicherung ist eine Ergänzung zum gesetzlichen Krankengeld. Für privat Versicherte ist sie obligatorisch. Besonders für Selbstständige. Für gesetzlich Versicherte kann sie eine sinnvolle Option sein. Denn anders als beim Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen kann man den Auszahlungsstartpunkt selbst festlegen. So kann eine Krankentagegeldversicherung etwa erst nach den anderthalb Jahren gesetzlichen Tagesgeldbezuges einspringen.

Diese Art der privaten Krankenzusatzversicherung lohnt sich vor allem bei Gutverdienern. Aber auch Normalverdiener, die weitere Verbindlichkeiten haben, können davon profitieren. Die Krankentagegeldversicherung gibt im Krankheitsfall langfristiger Sicherheit. Allerdings greift sie nur, wenn eine Genesung absehbar ist. Andernfalls ist die Kontaktaufnahme mit der Berufsunfähigkeitsversicherung oder gar der Rentenversicherung unvermeidbar.

Sinnvolle Ergänzung ab der Lebensmitte: Die Pflegezusatzversicherung

Die Pflegezusatzversicherung ist ein Sonderfall. Eigentlich ist sie nicht wirklich Bestandteil der Krankenzusatzversicherung. Denn sie zählt genau genommen zu den Sozialversicherungen. Da sie aber im extremen Krankheitsfall greift, soll sie hier dennoch kurz Erwähnung finden. Die Pflegezusatzversicherung gibt es in drei verschiedenen Varianten. Lediglich die Risikolebensversicherung kann bereits in jungen Jahren abgeschlossen werden. Die Pflegetagegeldversicherung und die Pflegekostenversicherung kann man meist erst ab etwa 40 Jahren abschließen.

Achtung: Bei dieser speziellen Krankenzusatzversicherung für den Pflegefall gibt es ein Höchstalter. Wer das 65. Lebensjahr überschritten hat, kann oft keine mehr abschließen.

Die drei Pflegeversicherungen unterscheiden sich unter anderem darin, dass die Pflegekostenversicherung zweckgebunden ist. Das Pflegetagegeld und die Pflegerente hingegen nicht. Allerdings hat die Pflegerentenversicherung in Form einer Risikolebensversicherung einen anderen Haken. Sie wird nur dann ausbezahlt, wenn der Versicherte binnen der vereinbarten Frist Pflegefall wird. Günstige Beiträge und keine Zweckgebundenheit? Das vereint einzig die Pflegetagesgeldversicherung auf sich. Ein genauer Bedarfsvergleich ist hier unbedingt zu empfehlen.

Freiwillige Krankenzusatzversicherungen nach Bedarf und Anspruch

Ohne gänzlich von Krankenzusatzversicherungen für einen Krankenhausaufenthalt abzuraten, notwendig sind sie nur bedingt. Für chronisch Erkrankte ist sie ohnehin sinnlos. Die privaten Versicherer schließen Krankenhauszusatzversicherungen nur ab, wenn noch keine chronischen Krankheiten vorliegen.

Einige behalten sich gar vor, vor Ablauf einer Frist zu kündigen, wenn chronische Erkrankungen auftreten. Ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen vor Unterschrift lohnt also. Dann sollte man auch gleich nachlesen, ob die Verlegung in die Wunschklinik inbegriffen ist. Andernfalls sieht die Krankenhauszusatzversicherung nur die Chefarztbehandlung und die Zimmerwahl vor.

Mit der Krankenhaustagegeldversicherung kann man den gesetzlichen Tagessatz aufstocken. Dies kann eventuell Sinn machen, um den Eigenanteil nach einer Operation zu reduzieren. Wichtig ist hier, auf das Verhältnis von Beitrag und Tagesgeldsatz zu achten. Sie zahlt aber auch ausschließlich bei Aufenthalten im Krankenhaus, nicht im generellen Krankheitsfall.

Verzichtbare Krankenzusatzversicherungen

Krankenzusatzversicherungen, die sogenannte IGel-Behandlungen übernehmen, sind weitgehend überflüssig. Als solche individuellen Gesundheitsleistungen gelten Maßnahmen, deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen ist. Dazu zählen etwa Heilpraktikerbehandlungen oder ästhetische Operationen ohne medizinische Indikation. Gegen geringe Aufpreise kann man die ein oder andere IGel-Maßnahme selbst finanzieren. Das lohnt sich in den meisten Fällen mehr, als eine gezielte IGel-Zusatzversicherung.

Eine Brillenversicherung ist keine richtige Krankenzusatzversicherung. Denn sie ist keine eigenständige Versicherung. Stattdessen ist sie meist Teil einer ambulanten Zusatzversicherung. Diese wiederum nutzt nur bei häufiger Frequentierung alternativer Heilmethoden, etwa Osteopathie. Und viele dieser Behandlungsmethoden werden mittlerweile durchaus auch von gesetzlichen Kassen bezuschusst.

Lassen Sie sich zu den verschiedenen Arten der Krankenzusatzversicherung von einem Experten beraten, um die für Sie passenden Policen und Tarife zu finden. Nutzen Sie unsere Vermittlersuche, um einen Ansprechpartner in Ihrer Nähe zu finden: