Private Krankenversicherung – Das sollten Sie wissen

Private Krankenversicherung (PKV) oder gesetzliche Krankenversicherung  (GKV), diese Optionen bestehen in Deutschland innerhalb des zweigliedrigen Krankenversicherungssystems. Gesetzliche und private Versicherungen funktionieren dabei nach unterschiedlichen Prinzipien. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Versicherten selber. Viele verbinden eine private Versicherung vor allem mit besseren Leistungen. Für einige kann der Wechsel in eine private Versicherung außerdem eine deutliche finanzielle Ersparnis bringen. Prinzipiell sollte man einen Wechsel in die private Krankenversicherung sehr genau abwägen, da es eine Lebensentscheidung mit vielen Konsequenzen ist. Alle wichtigen Fragen rund um die private Krankenkasse möchten wir Ihnen nun beantworten.

Private Krankenversicherung vs. gesetzliche Krankenkasse

Ausschlaggebend für den Unterschied zwischen privater Krankenversicherung und gesetzlicher Krankenkasse ist das Funktionsprinzip. Eine gesetzliche Krankenkasse ist solidarisch organisiert. Das heißt, jeder Versicherte hat Anspruch auf die gleichen Leistungen. Die Beitragshöhe ist gesetzlich geregelt und wird auf der Grundlage des Einkommens berechnet. Individuelle Merkmale, wie Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen oder Beruf spielen dagegen keine Rolle für den Beitrag. Personen mit geringem Einkommen zahlen dabei deutlich weniger ein als Gutverdiener. Einen Einfluss auf den individuellen Versicherungsschutz hat dies nicht.

Dagegen erfolgt die Versicherung bei einer privaten Krankenversicherung ausschließlich auf Grundlage der individuellen Voraussetzungen. Das Einkommen spielt für die Beitragshöhe dagegen keine Rolle. Allerdings können sich Arbeitnehmer erst ab einem bestimmten Bruttojahreseinkommen privat versichern. Im Jahre 2018 lag die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze bei 59.400 Euro. Erst dann gibt der Gesetzgeber dem Arbeitnehmer die Wahl, sich entweder weiter freiwillig gesetzlich abzusichern oder eben privat. Zur Auswahl stehen dabei zahlreiche private Anbieter. Die wichtigsten Anbieter für private Krankenversicherungen in Deutschland sind:

  • Allianz
  • Axa
  • Debeka
  • Deutsche Krankenversicherung
  • HUK Coburg
  • Signal Iduna

Die größte ist die Debeka mit derzeit rund 2,2 Millionen Versicherten. Insgesamt sind derzeit etwas mehr als 10 Prozent aller Versicherten privat krankenversichert.

Private Krankenversicherung: Für wen kommt die PKV in Frage?

Eine private Krankenversicherung steht nicht allen Bürgern offen. Diese Personen können prinzipiell in die private Versicherung aufgenommen werden:

  • Beamte, Richter und andere Bürger mit Anspruch auf Beihilfe
  • Freiberuflich Tätige und Selbstständige
  • Arbeitnehmer mit Bruttoeinkommen über Jahresarbeitsentgeltgrenze
  • Personen ohne eigenes Einkommen und ohne gesetzliche Versicherungspflicht (Hausfrauen /-männer, befreite Studierende, Beschäftigte mit geringen Einkommen)
  • Kinder von privat versicherten Eltern

Zunächst hat der Gesetzgeber in Deutschland Beamte und Richter von der Versicherungspflicht durch die gesetzliche Versicherung befreit. Daneben sind mittlerweile auch Selbstständige und Freiberufler berechtigt, in eine private Krankenkasse zu wechseln. Zudem gibt es auch für Geringverdiener bzw. Personen ohne Einkommen keine Pflicht zur gesetzlichen Versicherung. Auch sie können sich also privat versichern. Die größte Gruppe, die vor der Wahl steht, sich entweder privat oder gesetzlich zu versichern, sind aber Angestellte mit einem Bruttogehalt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze. Für diese Gruppe entfällt zunächst die Versicherungspflicht und der Arbeitgeber zahlt seinen Anteil mit dem monatlichen Einkommen aus. Wenn Sie in diese Gruppe fallen, können Sie sich entweder zum Höchstbetrag von aktuell 646,05 Euro freiwillig gesetzlich versichern. Alternativ besteht die Möglichkeit für eine private Krankenversicherung.

Für wen lohnt sich die private Krankenversicherung?

Die Frage, ob sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung lohnt, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Gerade junge Arbeitnehmer mit hohem Einkommen bekommen bei einer privaten Versicherung sehr günstige Tarife angeboten. Diese liegen deutlich unter den Höchstbeiträgen, welche die gesetzlichen Krankenversicherungen verlangen. Allerdings sollten Sie bei Ihrer Entscheidung möglichst langfristig denken. Denn mit zunehmendem Alter werden die Beiträge in die private Versicherung fast zwangsläufig steigen.

Bedenken sollten Sie außerdem, dass eventuelle Kinder oder der Ehepartner nicht einfach kostenlos mitversichert werden können, wie in der GKV. Haben Sie also vor, bald zu heiraten und Nachwuchs zu bekommen, sollte das Modell einer privaten Krankenversicherung genau durchgerechnet werden. Zwar werden Kinder zu bevorzugten Konditionen aufgenommen, gleichwohl muss jedoch jedes Kind einzeln versichert werden. Zumindest bei mehreren Kindern geht die Rechnung gegenüber der gesetzlichen Familienversicherung häufig nicht mehr auf. Sollte außerdem Ihr Ehepartner im Zuge der Familiengründung die Berufstätigkeit aufgeben, sind Sie als Hauptverdiener der Familie fortan für dessen Versicherungsschutz zuständig. Müssen Kinder und Ehepartner privat versichert werden, summieren sich die Kosten schnell auf einen Gesamtbetrag, der deutlich über dem Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenkasse liegt. Tendenziell lässt sich sagen: Eine PKV lohnt sich für junge, kinderlose Angestellte mit hohem Einkommen. Entscheidend ist das individuelle Angebot der Krankenkasse.

Unabhängig von den Beiträgen spricht eine bessere Versorgung für einen privaten Versicherungsschutz. Arztpraxen und Kliniken nehmen privat Versicherte bevorzugt auf, da hier höhere Honorare abgerechnet werden können. Lange Wartezeiten auf einen Termin brauchen Privatpatienten daher nicht befürchten. Zudem kann aus einem breiteren Leistungskatalog geschöpft werden. Dazu kommen weitere Privilegien, wie z. B. die Unterbringung im Einzelzimmer oder die Behandlung durch den Chefarzt. Prinzipiell gilt allerdings: Welche Leistungen konkret durch die Versicherung abgedeckt sind, hängt vom individuellen Vertrag ab. Je mehr Leistungen versichert sind, desto höher fällt der Beitrag aus.

Private Krankenversicherung: Wie wird der Beitrag ermittelt?

Neben den umfangreicheren Leistungen, die die privaten Krankenkassen ihren Mitgliedern bieten, ist vor allem der Beitrag das entscheidende Kriterium. Dieser wird für jeden Versicherten individuell ermittelt. Dabei sind aber auch die privaten Krankenversicherungen an einen gesetzlichen Rahmen gebunden. Neben dem Basistarif gibt es einen Standardtarif und einen Notlagentarif. Während der individuelle Beitrag im Basistarif den Höchstbetrag der gesetzlichen Versicherung zumindest nicht überschreiten darf, erhalten etwa langjährig Versicherte in einem fortgeschrittenen Alter Vergünstigungen in einem Standardtarif. Können privat Versicherte ihrer Beitragspflicht nicht nachkommen, werden sie in einen Notlagentarif gestuft, der bei vergleichsweise geringen Beiträgen zumindest eine Basisversorgung bei akuten Gesundheitsproblemen abdeckt. Die Beiträge im Basistarif werden dagegen durch das Äquivalenzprinzip bestimmt. Das heißt konkret, die Beiträge bemessen sich an den Leistungen für die Versicherten. Diese werden auf Grundlage individueller Voraussetzungen bestimmt. Dazu gehören unter anderem:

  • Eintrittsalter
  • Berufsgruppe
  • Versicherte Leistungen
  • Gesundheitszustand

Bei Eintritt in eine private Versicherung können die Versicherten entscheiden, welche Behandlungen überhaupt versichert werden sollen. Danach richtet sich dann natürlich auch der Tarif. Zudem findet eine Gesundheitsprüfung durch einen Fragebogen im Antrag statt. Ein guter Gesundheitszustand sorgt für einen günstigen Tarif und teils sogar Rabatte. Festgestellte Vorerkrankungen können dagegen eine Ablehnung des Antrags bedeuten. Im fortgeschrittenen Alter wird es ebenfalls teurer, eine private Krankenversicherung abzuschließen.

Fazit – Private Krankenversicherung kann sich durchaus lohnen

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung bringt nicht nur Privilegien wie bessere Behandlungsmöglichkeiten, Chefarztbehandlung oder schnellere Terminvergabe. Für junge Angestellte mit hohem Einkommen und ohne Kinder kann sich ein Wechsel auch finanziell richtig lohnen. Spätestens wenn eine Familiengründung geplant ist, sollte aber genauer nachgerechnet werden.

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