Die Rechtsschutzversicherung

„Eine Rechtsschutzversicherung brauche ich nicht. Ich klage nur, wenn ich weiß, dass ich gewinne.“ Diese solide Einstellung darf natürlich dem böswilligen Nachbarn nicht bekannt sein, sonst klagt er nämlich, wenn er weiß, dass er selbst im Recht ist und gute Chancen hat zu gewinnen.

Rechtsschutzversicherungen besitzen durchaus eine soziale Komponente. Ein ehemaliges Vorstandsmitglied eines großen deutschen Versicherers sagte einmal, dass eine Rechtsschutzversicherung vor Gericht für gleiche Augenhöhe der beiden Parteien sorge.

Recht haben und Recht bekommen hängt häufig auch vom finanziellen Hintergrund der Parteien ab. Ein großer Konzern kann eine Klage eines Arbeitnehmers in aller Ruhe aussitzen, wenn dieser keine Rechtsschutzversicherung hat – irgendwann geht dem Arbeitnehmer das Geld aus.

Die Frage, was ein Rechtsstreit kostet, hängt davon ab, über welche Instanzen er geht. Beträgt der Streitwert bis zu 5.000 Euro, führt das Amtsgericht die erste Verhandlung. Ab einem Streitwert von mehr als 5.000 Euro landet der Vorgang direkt beim Landgericht. Eine zivilrechtliche Klage mit einem Streitwert von 5.000 Euro läuft bei den Kosten mit Revisionsverfahren bei 8.457 Euro aus – ohne Streitwert.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass beispielsweise eine Klage vor dem Arbeitsgericht den Arbeitnehmer im Fall einer Niederlage ruinieren kann. Angenommen, der Streitwert beläuft sich auf eine Höhe von 20.000 Euro, entstehen Kosten in Höhe von 8.327,54 Euro für zwei Instanzen.

Die unterschiedlichen Sparten in der Rechtsschutzversicherung

„Die“ Rechtsschutzversicherung, die übergreifend alles abdeckt, gibt es nicht. Diese Versicherungsart setzt sich vielmehr aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die miteinander kombiniert werden können:

  • Privatrechtsschutz einschließlich Straf- und Vertragsrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz (Beispielsweise Gutachterkosten für die Überprüfung der Radarfalle)
  • Berufs- und Sozialrechtsschutz
  • Wohnungsrechtsschutz für Mieter
  • Wohnungsrechtsschutz für Vermieter

Rechtsschutzversicherungen unterscheiden allerdings generell zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen, unabhängig davon, ob diese Mitarbeiter beschäftigen oder nicht.

Während der Deckungsumfang für den Verkehrsrechtsschutz, den Berufs- und Wohnungsrechtsschutz recht eindeutig definiert ist, lohnt sich ein Blick auf die Privatrechtsschutzversicherung. In diesem Segment gehen die Leistungen der Versicherer am weitesten auseinander. Der Privatrechtsschutz übernimmt die Kosten für Rechtsstreitigkeiten aus den Bereichen

  • Vertrags- und Sachenrecht (greift z.B. wenn der Hersteller die Reparatur einer fehlerhaften Wohnwand ablehnt)
  • Steuerrecht (greift z.B. bei Differenzen mit dem Finanzamt bezüglich der Steuererklärung)
  • Sozial- und Verwaltungsrechtschutz (greift z.B. beim Streit mit der Gemeinde um einen Kindergartenplatz)
  • Strafrecht (greift z.B. beim Vorwurf der Ordnungswidrigkeit oder als Nebenkläger einer Straftat)

Bei einem Gerichtsverfahren kommt eine Rechtsschutzversicherung für folgende Kosten auf:

  • Kosten des Gegners
  • Gerichtskosten
  • Zeugenauslagen
  • Gutachterkosten
  • Anwaltskosten

In der Summe kommt bereits in der ersten Instanz einiges zusammen.

Die Leistungen der Rechtsschutzversicherung

Neben den eigentlichen inhaltlichen Leistungen der Rechtsschutzversicherung zeigt die Entwicklung der finanziellen Leistungen seitens der Versicherungswirtschaft ein interessantes Bild: Die Leistungen der Gesellschaften steigen kontinuierlich an. Dies hängt nicht mit einer Verteuerung der Anwaltshonorare zusammen, sondern mit dem Anstieg der Verfahren.

Die Rechtsschutzversicherung kommt aber nicht nur für Anwaltshonorare im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit auf. Sie übernimmt auch die Aufwendungen für

  • Telefonische Erstberatung
  • Beratung zu Erbrecht
  • Beratung zu Familienrecht
  • Beratung bei Vertragsgestaltung
  • Stellung von Strafkautionen auch im Ausland auf Kreditbasis

Wie viel zahlt die Rechtsschutzversicherung?

Wie bei allen anderen Sachversicherungen hat es sich auch bei den Rechtsschutzversicherern eingebürgert, verschiedene Tarife anzubieten. Diese unterscheiden sich im Leistungsumfang, in der Deckungssumme und folglich im Beitrag.

Die Versicherungssummen, die Deckungssummen, weisen in Deutschland eine Bandbreite zwischen zwei Millionen Euro bis hin zu unbegrenzter Kostenübernahme auf. Im Ausland gelten reduzierte Summen zwischen meist 200.000 Euro und einer Million Euro.

Und was bezahlt die Rechtsschutzversicherung nicht?

Wir hatten bereits angeführt, dass Streitigkeiten innerhalb der Familie nicht versichert sind. Dies gilt erst recht, wenn beide Parteien als versicherte Personen in einem Vertrag geführt werden. Die Gesellschaft übernimmt lediglich die Kosten für eine Erstberatung.

Der Versicherungsschutz entfällt auch, wenn die Grundlage für die juristische Auseinandersetzung eine Straftat des Versicherungsnehmers bildet.

Die Rahmenbedingungen in der Rechtsschutzversicherung

Einheitlich gilt für alle Rechtsschutzversicherer die Wartezeit. Diese beträgt, mit Ausnahme der Verkehrsrechtsschutzversicherung, drei Monate. Wechselt ein Versicherungsnehmer die Gesellschaft, kann er die Wartezeit umgehen, wenn der neue Vertrag am Folgetag der Beendigung des Vorvertrages beginnt. Hintergrund ist, dass die Versicherer vermeiden wollen, dass ein Versicherungsnehmer während eines schwebenden oder sich anbahnenden Verfahrens „noch schnell“ einen Vertrag abschließt.

In der Verkehrsrechtsschutzversicherung treten die Streitfälle jedoch in der Regel ohne Vorlaufzeit ein. Ein Unfall ereignet sich plötzlich, die Radarfalle schnappt ohne Vorankündigung zu.

Die Unterschiede in der Rechtsschutzversicherung

Natürlich gibt es Unterschiede im Beitrag zwischen den einzelnen Gesellschaften. Es bestehen allerdings auch Leistungsunterschiede. Diese zeigen sich in der Privatrechtsschutzversicherung im Familienrecht.

Bis vor einigen Jahren waren familiäre Differenzen grundsätzlich von der Leistung ausgeschlossen. Dieser Sachverhalt weichte in der Vergangenheit ein wenig auf. Die Unternehmen tragen zwar keine Prozesskosten, erstatten ihren Versicherungsnehmern jedoch ein oder zwei anwaltliche Beratungen. Dies bezieht sich auf

  • Erbrecht
  • Scheidung
  • Unterhalt

Neben der anwaltlichen Unterstützung im Familienrecht hat noch eine weitere Neuerung in der Kostenübernahme Einzug gehalten. Prozesskosten sind teuer. Deutlich günstiger fallen dagegen die Aufwendungen für eine Mediation aus. Es ist also im Interesse der Gesellschaften, dass sich die Parteien außergerichtlich mit einem Mediator zur Konfliktbeilegung zusammensetzen. Erst wenn die Mediation scheitert, kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren.

Rechtsschutzversicherungen berücksichtigen in der Regel eine Selbstbeteiligung pro Schadensfall. Um ihren Versicherungsnehmern die Mediation schmackhaft zu machen, entfällt die Selbstbeteiligung bei der Mediation. Sie entfällt auch, wenn die Mediation scheitert und es zu einem Verfahren kommt.

Und für wen ist eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll?

Diese Frage lässt sich recht leicht beantworten: Eine Rechtsschutzversicherung ist für jeden sinnvoll, der es sich finanziell nicht leisten kann oder will, eine rechtliche Auseinandersetzung möglicherweise zu verlieren.

Die unterschiedlichen Bausteine dieser Versicherung ermöglichen es, sich den Vertrag so zu gestalten, dass er zu den persönlichen Lebensumständen passt. Ein Rentner benötigt keine Berufsrechtsschutzversicherung. Für einen Radfahrer, der täglich mit dem Rad unterwegs ist, kann eine Verkehrsrechtsschutzversicherung sinnvoll sein. Wer kein Wohneigentum besitzt, ist mit einer Police gut bedient, die nur Mietrechtsschutz einschließt, aber kein Immobilieneigentum.

Die Tarife verschiedener Anbieter zu vergleichen, kann sich für Versicherte auszahlen. Wer sich unsicher ist, welche Art von Rechtsschutz überhaupt zur eigenen Situation passt, sollte sich von einem Experten beraten lassen. Einen Versicherungsvermittler in Ihrer Umgebung finden Sie über unsere Suche: