Finanzwissen als Schulfach?

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ – Naina (@nainablabla), 10.01.15.

Der Tweet der Schülerin Naina fasst noch immer die Realität vieler Schulabgänger gut zusammen. Sie kritisierte das Bildungssystem in Deutschland dafür, dass wichtige Themen, wie Finanzen oder Versicherungen, nicht in der Schule behandelt werden. Viele Schüler fühlen sich unvorbereitet und finden, dass der Unterrichtsstoff zum Teil sehr realitätsfern ist.

Immer wieder kommt die Diskussion auf, ob ein Schulfach für Finanzbildung eingeführt werden sollte. Viele Gründe sprechen dafür. Eine Umfrage der Swiss Life zeigte, dass die Deutschen in Sachen Finanzenwissen noch viel Verbesserungspotential haben. Nur 46 Prozent der Bundesbürger würden ihre Finanzkenntnisse als gut beschreiben, 40 Prozent als mittelmäßig. Vor allem bei Schülern sind die Wissenslücken auffällig. Nur ca. die Hälfte der Zehntklässler weiß, was ein Girokonto ist. 80 Prozent der Deutschen haben sich in der Schule kein oder nur wenig Wissen in diesem Bereich aneignen können. Fast genauso viele halten das aber für ein sehr wichtiges Thema. Die große Mehrheit (72 Prozent) ist deshalb für die Einführung des Schulfachs.

Andere Umfragen, wie eine der Direktbank comdirekt (September 2016), zeigen ähnliche Ergebnisse. Nur ein Viertel der 16- bis 25-Jährigen fühlte sich bei dem Thema Finanzen sicher. Auch die Schüler befürworten Finanzbildung in der Schule. 60 Prozent der Schüler finden, die Finanzbildung in deutschen Schulen sei ungenügend oder mangelhaft. Daher sind 95 Prozent der Jugendlichen dafür, ein entsprechendes Schulfach einzuführen.

Jeder möchte sich für eine gute Versicherung entscheiden, aber nur ein geringer Anteil der Schulabgänger weiß, worauf sie dabei achten müssen, was einen guten Versicherungsvertreter auszeichnet und wie sie einen geeigneten Versicherungsvertreter finden. Doch nur wenige informieren sich selbst darüber in Ihrer Freizeit.

In den Schulen fehlen solche Angebote bisher. Nur in Baden-Württemberg gibt es mittlerweile ein Schulfach, das das Thema Finanzen grob behandelt. Letztes Jahr wurde dort zum ersten Mal das Fach „Wirtschaft/ Berufs- und Studienorientierung“ als Pflichtfach eingeführt. Fünf Stunden pro Woche behandelten 7. bis 10.-Klässler von Realschulen und Gemeinschaftsschulen die Lerninhalte im Unterricht. Gymnasiasten sollen ab 2018 ebenfalls Wirtschaftsunterricht bekommen. Dort sind 3 Stunden pro Woche von der 8. bis zur 10. Klasse vorgesehen.

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