GDV: Facts and Figures

Zahlen sind Fakten, keine Frage. Sie stehen aber für mehr als nur für Ergebnisse, sie haben auch eine sozusagen strategische Dimension. Wer die Zahlen hat, der weiß, wie es wirklich ums Geschäft steht. Und wohin er es steuern muss. Der GDV ist auch in diesem Jahr wieder der erste große Branchenverband, der mit seiner Jahrespressekonferenz in Berlin Zahlen geliefert hat. Und diese können sich, trotz denkbar komplizierter Bedingungen, auch für 2017 sehen lassen. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Die Berichtssaison ist eröffnet! Mit unserer gestrigen Jahres-Pressekonferenz, die wir unter dem Hashtag #gdvjpk18 fleißig vertwittert und natürlich auch online übertragen haben, hat der GDV ein Zeichen gesetzt: Die Versicherungsbranche hat unter wirklich schwierigen Rahmenbedingungen ein ansehnliches Gesamtergebnis erzielt.

Für den GDV ist die Jahres-PK mehr als nur eine Zahlenbilanz. Natürlich haben wir in der heißen Phase der – hoffentlich „zügigen“ – Regierungsbildung die Berliner Bühne genutzt, um der Öffentlichkeit und den Entscheidern in der Politik unsere Sicht der Dinge zu wichtigen Fragen mit auf den Weg zu geben. So haben wir an eine künftige Bundesregierung appelliert, die Modernisierung vor dem Hintergrund anhaltender Digitalisierung mutig nach vorne zu bringen, dazu eine Offensive in der Bildungspolitik zu starten. Und wir haben klare Perspektiven für eine verantwortungsvolle, auf drei Säulen beruhende Altersvorsorge verlangt. Natürlich erwarten wir auch eine schnelle Entscheidung zur Anpassung der Zinszusatzreserve. Inzwischen haben die Unternehmen 60 Milliarden Euro in diesem Risikopuffer angesammelt und dazu stille Reserven realisiert. Um weitere 18 Milliarden Euro würde die Zinszusatzreserve in diesem Jahr anwachsen, würde sie nicht bald den Marktrealitäten angepasst. Dies nicht bald zu tun wäre volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich absolut unsinnig.

Zurück zu den Geschäftszahlen: Die Versicherungswirtschaft hat im vergangenen Geschäftsjahr ihre eigenen Prognosen übertroffen. Mit Beitragseinnahmen von 197,7 Milliarden Euro (+1,7 Prozent) verbuchten 2017 alle drei Sparten bessere Ergebnisse als vor einem Jahr erwartet. Und auch für das laufende Jahre 2018 rechnen wir mit einer vergleichbaren, stabilen Vorwärtsbewegung.

Dabei hat es gerade die Lebensversicherung alles andere als einfach in diesen Tagen. Im Gefolge des Niedrigzinses ist die Begleitmusik, die wir hören, an vielen Stellen noch ein wenig lauter geworden. Natürlich müssen Medien gerade in puncto Altersvorsorge hellwach und kritisch sein. Und natürlich freuen wir uns auch über kritische Fragen, wie sie auf der Jahres-PK gestellt wurden.

Aber plumpe Panikmache ist, weil das Thema so wichtig ist, unverantwortlich. Denn gerade dieser Tage zeigt die Lebensversicherung erneut eine beständige Zähigkeit! Sie verzeichnete im Jahr 2017 insgesamt nur einen minimalen Beitragsrückgang (-0,1 Prozent; Prognose: -0,5 Prozent) auf 90,7 Milliarden Euro. Mit 26,1 Milliarden Euro lief vor allem das Neugeschäft mit Einmalbeiträgen besser als erwartet (-0,5 Prozent) und dies in einem für Menschen, die fürs Alter vorsorgen, geradezu feindlichen geldpolitischen Umfeld.

Bemerkenswert vor allem, wie sehr die Unternehmen das Geschäft umgesteuert haben. Produkte mit alternativen Garantiekonzepten machen im Neugeschäft inzwischen knapp 50 Prozent aus, jede zweite Police, die verkauft wird, bietet also modifizierte Garantien an. Der Umbau der Produktpalette ist in vollem Gang. Sehr erfreulich, dass auch die betriebliche Altersversorgung floriert, sie macht mit Beitragseinnahmen von 19,4 Milliarden Euro inzwischen einen Anteil von mehr als einem Fünftel an den gesamten Beitragseinnahmen aus. Die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land haben erkannt, dass sie für ihr Alter vorsorgen müssen. Vorsorgen müssen, auch wenn die Kollateralschäden der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dies sehr erschweren, um es freundlich auszudrücken. Die Menschen brauchen Sicherheit, sie brauchen eine Perspektive, gerade in der Altersvorsorge.

Vor diesem Hintergrund hatten wir eine klare Botschaft an die Koalitionäre: keine neuen, kostspieligen Aufgaben, keine Experimente mit der gesetzlichen Rente. Das Kernproblem von Mütterrente oder Grundrente sehe ich darin, dass sozialpolitische Vorhaben aus der Rentenkasse mitfinanziert werden. Darüber gerät die Generationengerechtigkeit in eine noch größere Schieflage. Das aber ist fatal, denn ab 2025 gehen die Babyboomer in immer größerer Zahl in Rente, alleine der Jahrgang 1964 umfasst fast 1,4 Millionen Menschen.

Sehr erfreulich ist erneut die Entwicklung in der Schaden- und Unfallversicherung. Weil u. a. große Naturkatastrophen im vergangenen Jahr ausgeblieben sind, konnten sie gute schwarze Zahlen erreichen. Der versicherungstechnische Gewinn liegt bei 3,4 Mrd. Euro. Für Feinschmecker und die Kenner unserer Branche ist eine andere Zahl vielleicht noch aussagekräftiger. Die Schaden-Kosten-Quote (neudeutsch Combined Ratio) liegt auch 2017 wie schon im Jahr zuvor bei rund 95 Prozent.

Gut, dass die Fragen der Journalisten gestern rund um unsere großen Themen kreisten: die Zukunft von Lebensversicherung und Rente; die Perspektiven der Kfz-Versicherung am Beginn der Ära des automatisierten Fahrens; aber auch Fragen nach der Konsistenz der Regulierung. GDV-Präsident Wolfgang Weiler hatte zuvor erneut deutlich auf die Gefahr von Überregulierung aufmerksam gemacht, die Journalisten wollten mehr dazu wissen. Tatsächlich überfordern etwa übertriebene Reporting-Verpflichtungen inzwischen viele Unternehmen, ohne dass dadurch ein Mehrwert im Sinne einer guten Aufsicht erzeugt würde. Das Thema wird uns in herausfordernden Zeiten weiter begleiten.

 

Quelle: GDV

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