Knöpft sich Amazon als nächstes die Versicherungsbranche vor?

Amazon will bald Produktversicherungen zusammen mit hochwertigen Geräten verkaufen. Gerade bei jungen Leuten sind solche Produktversicherungen beliebt. Amazon kennt seine Kunden sehr gut und könnte dieses Wissen für die Versicherungsvermittlung von Produkten einsetzen. Daher ist es wahrscheinlich, dass Amazon sich auch dort Marktanteile erkämpfen wird.

Wird Amazon es bei Produktversicherungen belassen?

Nicht zum ersten Mal hat Amazon das Ziel, sich in einer neuen Branche zu etablieren. Meist beginnt Amazon mit Aktionen oder Produkten, die sich besonders anbieten, wie in diesem Fall Produktversicherungen. Versicherungsanalystin Patricia Davies von Global Data sieht in den Produktversicherungen von Amazon eine echte Bedrohung für stationäre Vermittler. Amazon habe klare Vorteile gegenüber der herkömmlichen Versicherungsbranche: Vertrauen und Transparenz zu Meinungen und Funktionen beim Produktkauf über Amazon seien bei stationären Vermittlern kaum vorzufinden.

Versicherer befürchten, dass sie es in diesem Bereich nicht mit Amazon aufnehmen können und vom Markt gedrängt werden. Ob es nur bei Produktversicherungen bleibt, ist abzuwarten. Sicherlich ist davon auszugehen, dass Amazon nicht zögern wird, noch mehr Marktanteile zu erwirtschaften, sobald es die Chance dafür gibt.

Noch mehr Hinweise – Das deutet auf einen Einstieg von Amazon in die Versicherungsbranche hin

Weitere Anzeichen deuten darauf hin, dass Amazon sich auf den Einstieg in die Versicherungsbranche vorbereitet. In zwei sozialen Netzwerken, LinkedIn und „Where Women Work“, habe Amazon laut der Süddeutschen Zeitung Anzeigen geschaltet, um Versicherungsprofis für den Standort London anzuwerben.

Eine Kundenbefragung von Global Data ergab außerdem, dass knapp fünf von zehn Briten sich vorstellen könnten, Autos oder Häuser über Amazon zu versichern.

Mögliche Folgen für die Versicherungsbranche

Folgender Fall könnte eintreten: Die bestehenden Versicherer verlieren einige ihrer Marktanteile und werden zum Teil auch vom Markt gedrängt. Sie könnten auch als reine Zulieferer für Amazon fungieren, wenn Amazon das Versicherungsrisiko nicht selbst tragen möchte. Dann würden sie sich allerdings von Amazon abhängig machen.

Auch, wenn Amazon in die Versicherungsbranche einsteigt, wird die Versicherungsvermittlung, wie wir sie kennen, nicht aussterben. Das Lebensmittelgeschäft zeigt, dass Amazon sich nicht überall als Marktführer durchsetzen kann. Um Versicherungen zu vermitteln, muss Amazon viele Auflagen beachten. Check24 geriet deshalb schon mehrfach in einen Rechtsstreit mit dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. Außerdem ist eine persönliche Beratung für viele Menschen immer noch wichtiger als der Preis. Erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass das Bundeskartellamt eine Sektoruntersuchung durchführt. Die Qualität und Zuverlässigkeit automatisierter Beratungen von Vergleichsportalen soll untersucht werden, da viele Zweifel an der Einhaltung des Verbraucherschutzes und der Gesetze bestehen. Ende des Jahres soll diese Untersuchung beendet sein und ein Bericht darüber entstehen.

Eins steht fest: Die Digitalisierung ist nicht mehr zu stoppen. Aber eine persönliche Beratung kann den Kunden auf einer ganz anderen Ebene erreichen als automatisierte Versicherungsfragen in Vergleichsportalen. Nichtsdestotrotz sollte der digitale Wandel von der Versicherungsbranche nicht vernachlässigt werden. Versicherungsvermittler müssen zunehmend auch aktiv digitale Kanäle bespielen, um ihre Kunden zufriedenzustellen und so langfristig am Markt zu bestehen.

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